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Die Geschichte von Schloß Aschach
Am besten gefällt mir das Haus Aschen,
So ich von meinen Brüdern hab erhaschen,
Denn es kann füllen Faß und Flaschen
Und auch Geld geben in die Taschen.
Ludwig Bechstein, der Aschach zu seinem Stammsitz erwählte, legte Graf Hermann II.
diesen Vers in den Mund.
 | Schloß Aschach Ansicht Ostfront |
Schloß Aschach, früher auch "Waldaschach" genannt, war uralter Besitz der einst im nördlichen Franken
und in Thüringen reich begüterten Grafen von Henneberg, deren Stammsitz nahe Meiningen bei dem Dorf
Henneberg gelegen war. Graf Poppo VI. von Henneberg, Burggraf zu Würzburg, Vater des berühmten
Minnesängers Otto von Botenlauben, errichtete wohl schon im ausgehenden 12. Jahrhundert die erste
feste Burg in Aschach; seine Nachkommen bauten sie wiederholt um und aus. Im späten 15. Jahrhundert
kam die Burg durch Kauf in den Besitz der Fürstenbischöfe von Würzburg. Das Geschlecht der Henneberger
ist im 16. Jahrhundert ausgestorben. Aschach wurde bis 1802 Sitz eines fürstbischöflichen Amtes.
Die plündernden Bauernheere haben im Jahre 1525 das Schloß Aschach verwüstet; Fürstbischof Konrad
von Thüngen hat 1527 bis 1530 das Große und das Kleine Schloß wiederhergestellt, wie die reichen
Wappensteine an beiden Schlössern beweisen.
Eine neue Katastrophe brach im Jahre 1553 über Aschach herein, als Markgraf Albrecht Alcibiades von
Brandenburg im Rahmen der unseligen "Grumbachschen Händel" sengend und plündernd durch das
würzburgische Land zog; damals ging das Große Schloß in Flammen auf. Fürstbischof Friedrich von Wirsberg
ließ 1571 bis 1573 Schloß Aschach wiederum aufbauen und erheblich vergrößern. Damals erhielt es mit den
Treppengiebeln seine charakteristische äußere Gestalt. Des Bischofs großes Wappen mit dem
"fränkischen Rechen" des Hochstifts Würzburg und der Fahne des Herzogtums Franken befindet sich
über dem Portal. Während des Dreißigjährigen Krieges waren Schloß und Amt 1631 - 1634 in schwedischem
Besitz.
1802 fiel mit dem gesamten Hochstift Würzburg auch Schloß Aschach an Pfalz-Bayern, wurde 1806
großherzoglich-würzburgisch, 1814 endgültig bayerisch. 1829 wurde es an den Industriellen Wilhelm Sattler
verkauft. Dieser besaß in Schweinfurt mehrere Farbenfabriken. Er hatte bereits das ehedem ebenfalls
hennebergische Schloß Mainberg bei Schweinfurt erworben und dort eine Tapetenfabrik errichtet. Hier in
Aschach begründete und betrieb er nun eine Steingutmanufaktur. Die Erben verkauften das Schloß, nachdem
sie den Betrieb 1860 stillgelegt hatten.
 | Lithographie von Franz Leinecker (1843) |
Schloß Aschach fand 1873 einen neuen opferfreudigen und liebevollen Herrn in dem
Regierungspräsidenten von Unterfranken, Dr. Friedrich Graf von Luxburg (1829 - 1905), der das Schloß
samt Zubehör als Familienbesitz erwarb, um es nach Beseitigung der gewerblichen Einbauten, der Brennöfen
etc. nach seinem Sinne wiederherzustellen und umzugestalten. Mit glücklicher Hand erwarb er auch eine
stattliche Reihe bedeutender Kunstwerke an Gemälden, Plastiken und Möbeln, Pokalen, Gläsern, Porzellan,
Fayencen und anderem Kunstgewerbe, mit denen er das leere Schloß wieder füllte.
Bereits zur Zeit Sattlers zog Schloß Aschach viele Besucher aus dem nahen, aufstrebenden Bad Kissingen an. Zu den ständigen Gästen Aschachs gehörte um 1825 König Ludwig I. von Bayern, im späten 19. Jahrhundert der Reichskanzler Fürst von Bismarck, der von 1876 bis 1893 fast alljährlich hier weilte, wenn er in Kissingen die Kur gebrauchte, ebenso waren der nachmalige Kaiser Friedrich III. mehrmals als Kronprinz und auch die letzte Kaiserin Augusta Viktoria hier, ferner die letzte Königin von Hannover, der Prinz von Battenberg (Schwiegersohn der Queen Victoria), Reichskanzler Fürst Hohenlohe; der berühmte Maler Adolf Menzel und Georg Dehio, der große Kunstgelehrte, oder später Siegfried Wagner sowie Kronprinz Rupprecht von Bayern und Graf Coudenhove-Calergi, der Gründer der Pan-Europa-Union, finden sich mit vielen anderen im Gästebuch.
1929 hat der Sohn des Regierungspräsidenten, der Gesandte Dr. Karl Graf von Luxburg (1872 - 1956),
Aschach übernommen und zusammen mit seiner Gattin Carola( 1877 - 1968) das Erbe behutsam gepflegt und
vermehrt. Er hatte im Anfang des Jahrhunderts als Diplomat in Asien wertvolle altchinesische Keramik und
kostbare Teppiche mit großem Geschick gesammelt und dadurch das vom Vater geprägte Bild der Aschacher
Sammlung mit einem persönlichen Akzent bereichert.
Im Frühjahr 1945 war Schloß Aschach - bei Kriegsende durch deutsche Brückensprengung leicht
beschädigt - drei Tage von US-Truppen besetzt; dann diente es einige Jahre der letzten Kronprinzessin
des Deutschen Reiches und von Preußen als Sommerwohnung.
 | Schloß Aschach Ansicht Ostfront |
Dr. Karl Graf von Luxburg hat 1955 das gesamte Schloß mit Nebengebäuden sowie den Kunstsammlungen,
allem Inventar und den Liegenschaften zur Erinnerung an das Wirken seines Vaters für Unterfranken und
zur Erinnerung an die eigene Sammeltätigkeit dem Bezirk Unterfranken geschenkt mit der Auflage, ein
öffentlich zugängliches Schloß-Museum einzurichten; er starb 1956 im 84. Lebensjahr in Buenos Aires.
Gräfin Carola ebendort 1968.
Seit 1957 ist Schloß Aschach nach entsprechender Umgestaltung als "Graf-Luxburg-Museum" des Bezirks
Unterfranken für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei Kunstfreunden von nah und fern hat das
Graf-Luxburg-Museum Schloß Aschach längst seinen festen Platz im Kranze der fränkischen
Sehenswürdigkeiten gefunden. 1963 begannen die "Aschacher Schloßkonzerte". Dem Besucher bietet Schloß
Aschach das unschätzbare und nun auch schon selten gewordene Abbild der Wohnkultur des 19. Jahrhunderts
in einem spätmittelalterlichen Schloß, geprägt von einem eifrigen Sammler, angefüllt mit kostbaren
Schätzen alter Kunst und behaftet mit vielen zeitgeschichtlichen sowie landesgeschichtlichen
Erinnerungen.
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